Universitätsklinikum Leipzig - Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde  
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Grauer Star - gut zu behandelnde Alterserkrankung des Auges

Prof. Dr. med. Peter Wiedemann, Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Leipzig, über Ursachen und Folgen, Operations- und Vorbeugungsmöglichkeiten

Der Graue Star, auch die Katarakt genannt, gehört zu den wesentlichen Ursachen für einen langsamen Sehverlust im Alter. "Der Graue Star ist eine Eintrübung der Augenlinse", erläutert. Prof. Dr. med. Peter Wiedemann, Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Leipzig. " Das kann man sich so vorstellen: Wenn ein Fenster oder die Windschutzscheibe am Auto nicht geputzt wird, kommt immer weniger Licht hindurch und die Sicht nimmt ab."

Licht und Linse

Diese Eintrübung entsteht meist durch den natürlichen Alterungsprozess der Linse. "Die Augenlinse wächst lebenslang, ähnlich wie Haare oder Fingernagel", so Prof. Wiedemann. "Aber während Haare oder Fingernägel abgeschnitten werden, wächst die Linse weiter. Das führt dazu, dass sie im Alter immer dicker und steifer wird - und sich eintrübt." Übrigens führt diese Alterung der Augenlinse auch dazu, dass sie sich nicht mehr richtig fokussieren, sich also auf verschiedene Entfernungen einstellen kann. Das bemerkt man etwa im zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. Und dann braucht der Mensch eine Brille, denn er ist altersichtig.

Blendung und Details

Aber zurück zum Grauen Star. Anfangs beeinträchtigt er das Sehen nur geringfügig. Anfangszeichen ist eine zunehmende Blendungsempfindlichkeit, da das einfallende Licht in der "unsauberen getrübten Linse" vermehrt gestreut wird. Ungünstige Beleuchtungsverhältnisse stören das Sehvermögen bzw. das Erkennen von Details stärker als zuvor.

Die große Mehrheit der Patienten, die an Grauem Star erkranken, sind über 60 Jahre alt. "Neben dem Grauen Star sind der Grüne Star und die altersabhängige Makula-Degeneration die drei Krankheiten, die das gute Sehen im Alter gefährden", so Prof. Wiedemann. "Wobei von diesen drei Erkrankungen der Graue Star am besten zu behandeln ist."

Operation und Linse

Und zwar mit einer Operation, bei der die eingetrübte Augenlinse ersetzt wird durch eine künstliche Linse. "Um es einfach zu sagen: Da das Fenster nicht geputzt werden kann, muss ein neues eingesetzt werden", so der Leipziger Augenarzt. "Mit der neuen Linse kann das Licht wieder ungetrübt und ungestreut in das Auge einfallen und der Betroffene hat ein helleres Bild und kann wieder deutlich sehen."

Zahl und Erfolg

Wie Prof. Wiedemann sagt, ist diese Katarakt-Operation weltweit der Eingriff, der am häufigsten und durchgeführt wird. "In Deutschland wird der Graue Star jährlich etwa 500 000 Mal operiert. An unserer Leipziger Klinik werden es am Jahresende 1800 bis 2000 Operationen sein." Wobei diese für den Patienten sehr gute Aussichten darstellen: Die Erfolgsquote liegt bei über 99 Prozent. "Damit ist aber zugleich auch gesagt, dass sich - wie bei jeder operativen Maßnahme - nicht immer der gewünschte Erfolg einstellt", so der Leipziger Klinikchef.

Fernsehen und Autofahren

Heute wollen die Patienten möglichst frühzeitig operiert werden, weil sie zwei große Anforderungen an das Leben haben, die ohne gutes und exaktes Sehen nicht zu haben sind: das Fernsehen oder der Computer und das Autofahren. Nach einer erfolgreichen Operation kann der Betroffene wieder Auto fahren - auch nachts und in der Dämmerung. Und er kann natürlich wieder stundenlang Fernsehen.

"Dennoch wollen wir Ärzte die künstliche Linse erst zum richtigen und notwendigen Zeitpunkt und nach Ausschluss anderer Ursachen einer Sehverschlechterung einpflanzen", so Prof. Wiedemann. "Weil ein Eingriff ins Auge immer mit einem Risiko verbunden ist. Auch wenn die Erfolgsrate bei über 99 Prozent liegt: Es bleibt leider ein kleiner Rest, der nicht erfolgreich ist. Deswegen wollen wir nicht ohne weiteres Augen operieren, die besser als 60 Prozent sehen."

Optik und Fokus

Die Optik der künstlichen Linse ist übrigens besser als die von der Natur mitgegebene. "Das Besondere, was die körpereigene Linse im jugendlichen Alter kann und was die künstliche Linse nicht im ausreichenden Maße kann, ist die Anpassung an verschiedene Entfernungen", sagt der Leipziger Augenarzt. "Es stehen zwar Linsen zur Verfügung, die für verschiedene Entfernungen geeignet sind. Aber darunter gibt es noch keine, die mit der natürlichen eigenen Linse mithalten kann. Zudem müsste eine solche Linse vom Patient aus eigener Tasche bezahlt werden."

Monofokal und Kassenleistung

Bei den Kosten kann Prof. Wiedemann aber gleich Entwarnung geben: "Die normale Operation des Grauen Stares mit dem Einsetzen einer monofokalen Linse ist eine Kassenleistung." Diese Linsen haben einen festen Brennpunkt für eine bestimmte Entfernung. Daraus folgt, dass der Patient nach der OP eine Brille braucht. "Normalerweise macht man die Patienten etwas kurzsichtig", erläutert der Leipziger Klinikchef. "Man rechnet aus, welche Linse mit welcher Brechkraft in das Auge hinein muss. Dann wird der Brennpunkt etwas verändert in Richtung Kurzsichtigkeit. Ganz einfach, damit der Patient im Sehbereich, der innerhalb der Armlänge liegt, gut sehen kann - und so beispielsweise seine Brille für die Ferne findet."

Multifokal und Zahlung

Darüber hinaus gibt es multifokale Linsen, die von der Nähe bis in die Ferne das Sehen erlauben. "Sie erreichen aber meist nicht die Sehschärfe der monofokalen Linsen", schränkt der Leipziger Augenarzt ein. "Wer hohe Anforderungen ans Sehen stellt, sollte sich deshalb für eine Linse mit einem festen Brennpunkt entscheiden, die mit einer Brille ergänzt wird", rät er. "Für denjenigen, der im Alltag keine Brille tragen möchte, sind die anderen Linsen interessant. Allerdings braucht man beispielsweise fürs Autofahren oder bei Computerarbeiten oft eine Brille. Und der Patient muss Operation und Speziallinse selbst bezahlen. Das sind insgesamt rund 1500 Euro."

Operation und Zeit

Der Graue Star wird in der Leipziger Augenklinik sowohl ambulant als auch stationär operiert. "Die ambulanten Fälle werden in einem speziellen ambulanten OP-Zentrum der Universitätsaugenklinik in der Paul-Liststraße 7 behandelt", erklärt Prof. Wiedemann. "Das sind in der Regel die Alters-Katarakte."

Diese ambulanten Operationen dauern jeweils rund fünfzehn Minuten. "Aber da muss jeder Handgriff sitzen", betont der Klinikchef. "Weil es für das Auge schon ein Unterschied ausmacht, ob eine Viertelstunde an ihm operiert wird oder eine halbe Stunde." Aber neben der Zeit kommt es auch darauf an, dass die Patienten sich der Operation in einem angst- und schmerzfreien Zustand unterziehen. "Die Patienten sind verständlicherweise meist sehr aufgeregt", erzählt Prof. Wiedemann. "Deshalb muss der Blutdruck kontrolliert werden, der Patient bekommt bei Bedarf auch ein Angst lösendes Medikament. Denn es ist zu vermeiden, dass während der Operation der Blutdruck auf 200 oder mehr steigt." Nach einer örtlichen Betäubung wird dann operiert.

Schnitt und Betreuung

Dabei ist der Schnitt, der nötig ist, um die natürliche mit einer künstlichen Linse zu ersetzen, nur etwa 2,5 Millimeter klein. "Der so genannte Tunnelschnitt ermöglicht, dass nach der Linsentransplantation allein durch den Überdruck des Auges der Schnitt geschlossen wird", so Prof. Wiedemann. Es gibt also keine Naht oder ähnliches. Das operierte Auge wird abgedeckt, der Patient wird noch eine Stunde durch Fachschwestern betreut und kann dann nach Hause gehen. "An diesem Tag sollte er aber auch zu Hause eine Betreuung haben", betont der Leipziger Augenarzt. "Gibt es keine Betreuungsmöglichkeit, kann nicht ambulant operiert werden." Die postoperative Kontrolle erfolgt dann beim niedergelassenen Augenarzt.

Gelb und blau

Als "künstlichen Ersatz" werden in der Leipziger Augenklinik vorwiegend gelb eingefärbte Linsen verwendet. "Denn viele experimentelle Daten deuten darauf hin, dass der blaue Lichtbereich der Netzhaut schadet und zur altersabhängigen Makula-Degeneration führt", begründet Prof. Wiedemann. "Die Gelbfärbung der Linsen filtert den blauen Anteil aus dem Sonnenlicht heraus und schützt somit die Netzhaut. Auch die natürliche Linse eine 50-Jährigen hat einen leichten Gelbton."

Natürlich gibt es die Kunstlinsen auch in Weiß. "Wir erklären unseren Patienten, wo wir die Vorteile der gelb eingefärbten Linsen sehen und entscheiden dann im Einzelfall, ob eine gelbe oder eine weiße Linse eingesetzt werden soll," so der Leipziger Klinikchef. Der Betroffene merkt beim Sehen übrigens keine Unterschiede. Zudem ist die Linse und ihre Farbe von außen nicht zu sehen. Aber der Patient hat die Wahl - und bekommt die weiße oder die gelbe als Kassenleistung, also für ihn kostenlos.

Kinder und Ältere

In der Leipziger Augenklinik, die das ganze Spektrum der Augenheilkunde anbietet, gehören Diagnose und Therapie der Alterskrankheiten heute zu den Schwerpunkten. "In den Augenkliniken ging es früher vorwiegend um Kinder. Jetzt sind die Über-60-Jährigen unsere Hauptpatientengruppe", so Prof. Wiedemann. "Ganz einfach, weil sich die demographische Entwicklung auch in den Kliniken zeigt."

So bilden der Graue und der Grüne Star sowie die Makula-Degeneration heute die Schwerpunkte. Nicht selten haben Patienten alle drei Erkrankungen auf einmal. "Denn: Den Grauen Star bekommt jeder, wenn er nur alt genug wird. Gleiches gilt auch für die altersabhängige Makula-Degeneration. Und dann kann noch der Grüne Star dazukommen", sagt der Leipziger Klinikchef.

Star und Star
Wobei in der Leipziger Augenklinik die Voraussetzungen bestehen, ganzheitlich diese Alterserkrankungen zu behandeln. "Es nützt eben nichts, nur den Grauen Star zu operieren, wenn der Patient auch eine Glaukom-Erkrankung, also den Grünen Star hat", erläutert Prof. Wiedemann. "Denn dann ist der Sehnerv geschädigt und es macht keinen Unterschied, wie viel Licht ins Auge einfällt, wenn der geschädigte Sehnerv die Informationen nicht ans Gehirn weiter leiten kann."

Tunnel und Kontrolle

Während beim Grauen Star dem Betroffene das langsam sinkende Sehvermögen auffällt, vollzieht sich die Entwicklung beim Grünen Star nahezu unbemerkt. "Das Gesichtsfeld reduziert sich langsam", erläutert der Leipziger Augenarzt. "Ohne augenärztliche Kontrolle merkt der Betroffene es selbst nicht. Am Ende hat er förmlich einen Tunnelblick - aber dann kann auch auch die ärztliche Kunst nichts mehr retten. Deshalb sollten sich alle ab einem Alter von 40 Jahren beim Augenarzt kontrollieren lassen."

Sehzentrum und Lebensqualität

Bei der Makula-Degeneration wiederum bemerkt der Patient durchaus die Veränderungen. "Bei dieser Augenerkrankung sterben Netzhautzellen im Sehzentrum, der Makula, ab", erklärt Prof. Wiedemann. "Mit der Folge: Genau da, wo der Betroffene hinschauen will, sieht er nichts. Es ist ihm nicht mehr möglich, einen Gegenstand direkt zu betrachten, weil in der Mitte seines Sehfeldes ein schwarzgrauer Fleck alles verdeckt."

Der Betroffene ist dadurch nicht blind. So kann er zwar eine Uhr sehen, aber nicht die Zeit ablesen. Oder: Er sieht sich im Spiegel, kann aber nicht mehr sein Gesicht sehen. Er kann nicht mehr lesen oder fernsehen, er erkennt auf der Straße den Nachbar nicht. "Das grenzt die Betroffenen aus. Wer sich nicht mehr vor dem Spiegel zurechtmachen kann, wer weder Zeitung noch Fernsehen verfolgen noch Freunde und Nachbarn erkennen kann, verliert seine sozialen Kontakte", so der Leipziger Klinikchef. "Um so wichtiger ist es, die Krankheit frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Auch wenn wir die altersabhängige Makula-Degeneration gegenwärtig nicht heilen, sondern nur verzögern können: Schon das ist ein großer Gewinn an Lebensqualität."

Retten und Ersetzen

Operationen mit sehr großer Erfolgsaussicht sind nur beim Grauen Star möglich. Bei der Makula-Degeneration kann der Arzt nur noch "retten, was zu retten ist". Prof. Wiedemann macht deutlich: "Je später ein Patient die Erkrankung bemerkt, desto schlimmer. Denn die Behandlungsmöglichkeiten sind eingeschränkt und nur nach sorgfältiger Diagnostik einzusetzen. Da ist noch ein langer Weg vor uns."
Auch der Grüne Star (Glaukom) ist eine sehr schwierige Erkrankung. "Man muss verschiedene Möglichkeiten der konservativen, medikamentösen und der operativen Behandlung beherrschen und einsetzen können", so Prof. Wiedemann. "Aber im Prinzip sind beides progressive Erkrankungen an Geweben der Netzhaut und des Sehnerven, die man noch nicht ersetzen kann."

Rauchen und Sonne

Am besten wäre es, diese Erkrankungen des Auges ließen sich vermeiden. Dafür hat Prof. Wiedemann wichtige Ratschläge: "Nicht rauchen und viel Obst und Gemüse - das hilft auch dem Auge. Denn Rauchen unterstützt die Entstehung von Grauem und Grünem Star sowie der Makula-Degeneration, weil es die kleinen Blutgefäße schädigt. Und davon haben wir im Auge ja eine ganze Menge. Bei der Makula-Degeneration ist zudem nachgewiesen, dass viel Fleisch und Fett schlechter sind als viel Obst und Gemüse."

Hut und Brille

Außerdem sollte eine massive Sonneneinstrahlung gemieden werden, weil sie nicht nur der Haut, sondern auch dem Auge schaden kann. Der Direktor der Leipziger Augenklinik rät: "Man sollte in südlichen Ländern immer einen Sonnenhut oder ein Basecap tragen. Und eine gute Sonnenbrille. Mit gut meine ich: Wenn die Brille nur abdunkelt ist, weitet sich die Pupille und es fällt noch mehr Licht ins Auge. Die Brille sollte aber das gefährliche kurzwellige Licht ausblenden. Also das UV-Licht und die Blaulichtbereiche. Am besten, man lässt sich bei einem Optiker beraten."



 



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